Seit mehr als 30 Jahren befasse ich mich mit
der Ausbildung von Gebrauchshunden. Dabei habe ich mit Hunden
verschiedener Rassen gearbeitet. Fast alle habe ich bis heute bei 130 Prüfungen
vorgeführt.
Im Alter von 15 Jahren bekam ich einen Boxer, mit dem ich schon bald zum
Hundeplatz der näheren Umgebung, einem DVG-Verein, geschickt wurde. Da dieser
Hund sich nicht für den Schutzhundesport eignete, legte ich mit ihm die für
damalige Verhältnisse exotische VB-Prfg (verkehrssicherer Begleithund), und
später die FH-Prfg ab.
Dann bildete ich für jemanden einen Dt. Schäferhund aus. Der Hund war zwei Jahre
alt, trieblich sehr flach und schlecht zu motivieren. Ausbildung mittels
Spielzeug, Belohnung durch Futter oder übermäßiges Loben war damals so gut wie
gar nicht angesagt. Auch wenn diese Dinge im Hundesport schon bekannt waren,
wurde ihre Anwendung meist vom Ausbildungswart mit den Worten: "Das bringt
nichts, denn das darfst Du in der Prüfung auch nicht." unterdrückt. Also lernte
dieser Hund durch ständige Wiederholung seine Übungen und erfuhr Ruhe, wenn er
sie richtig und zu meiner Zufriedenheit ausführte. Prompt fiel ich bei der ersten
SchH 1-Prfg in der Abtlg. B durch. Mangelhaftes Apportieren war hierfür der
Grund. Mit diesem Hund lernte ich die erste Gesetzmäßigkeit: Konsequenz, und zwar
in zweierlei Hinsicht: Erstens bestand ich auf die Apportierübungen, indem ich
den Hund psychisch beeinflusste, und zweitens lobte ich ihn ausgiebig und
bestätigte ihn mit einem Spielzeug, wenn er die Apportierübungen überhaupt erst
einmal machte, und setzte mich entgegen den Anweisungen des Ausbildungswartes
durch. Das fruchtete und somit konnte ich die SchH 1, 2 und 3 innerhalb eines
Jahres erfolgreich bestehen.
Zu dieser Zeit hatte
sich meine damalige Freundin einen Dt. Schäferhund-welpen zugelegt, mit dem sie
fleißig trainierte.
Ricky vom
Osteranger
SchH 3, IPO 3
... war ein Uwe Kirschental - Sohn aus einer Greif
Lahntal -Tochter, der vor Trieb und Arbeitsfreude strotzte und deshalb von mir
"Rambo" genannt wurde.
Im Alter von 13 Monaten beherrschte sie ihn aber schon
nicht mehr. Also übernahm ich diesen Hund, bei dem mir die Fährte und
Unterordnung keine Probleme bereiteten, wohl aber das Ablassen und die Sauberkeit
im Schutzdienst.
Die damalig gebräuchlichen
"Ausbildungsmethoden", einem Hund das Ablassen und Verbellen beizubringen, muss ich
hier wohl nicht beschreiben. Ich wollte jedenfalls hiervon keinen Gebrauch machen,
denn die Prüfungsergebnisse waren nicht nur mittelmäßig, sondern vor allem sehr
unbeständig.
Eine große Hilfe hierbei war Edgar Scherkl. Wir hatten uns
schon früher hier und da kennengelernt, als er mit seinem Rottweiler auf
Prüfungen unterwegs war, und auch schon gemeinsam einen Flutlichtpokal figuriert,
wo die dort teilnehmenden Hunde allerdings nicht so gut aussahen.
Es muss wohl Schicksal gewesen sein, aber bei Edgar lernte ich eine ganz neue Art
des Schutzdienstes kennen. Inspiriert von Dr. Helmut Raiser bildete Edgar seine
Vereinshunde im Schutzdienst aus. Beim Training zu einem Pokalwettkampf sah ich
dort Hunde, die druckvoll und sensationell arbeiteten und dabei sehr gut im
Gehorsam standen. Edgar kannte meinen "Rambo" noch nicht, war aber sofort von ihm
begeistert. Er lehrte dem Hund und mir - für die damalige Zeit
- revolutionäre Dinge. Nach ca. 8 Wochen hatte ich mein Rüstzeug, und
als Helfer und Hundeführer viel dazugelernt. In dieser Zeit habe ich nicht ein
einziges Mal Schutzdienst in meinem Verein gemacht.
Die erste Belohnung für dieses Durchhalten und "offen sein
für neue Ausbildungsmethoden" war eine Prüfung, an der 20 Hunde teilnahmen. Ich
wurde Tagessieger mit 292 Pkt. Im Winter festigte ich die Ausbildung und dann
folgten drei Jahre mit Kreis- und Landesmeisterschaften. 1989 schaffte ich sogar
den Sprung zur dHV-DM und belegte dort den 8. Platz. Vorher hatte "Rambo" mit 99
Pkt. in der Abtlg. C bei der LVM den besten Schutzdienst aller 40 Teilnehmer
gezeigt. Das alles hatte ich Edgar Scherkl zu verdanken.
Gestärkt durch die neuen Erkenntnisse entwickelten sich
auch ganz andere Sichtweisen und Arbeitstechniken für mich als
Schutzdiensthelfer, und ich wurde zu einem gefragten Schutzdienstausbilder
für "Problemfälle" , besonders bei älteren
Hunden.
Es folgte der Einsatz als Helfer auf Kreis-, Landes- und
Verbandsmeister-schaften, wo die Meldezahlen ganz plötzlich schrumpften, als
bekannt wurde, dass ich figurieren sollte. Fakt aber war, dass Hunde die sich bei
mir durchsetzten, bei allen anderen Helfern keine Probleme hatten und gute Arbeit
zeigten.